Peenemünde


Peenemünder U-Boot-Museum

Peenemünder U-Boot-Museum

An der Ostsee gehört Peenemünde ohne Zweifel nicht zu jenen Orten, denen man einen maritimen oder gar mondänen Charme zusprechen möchte. Weit über Mecklenburg-Vorpommern hinaus ist der Ort zum einen für Pionierleistungen der Raumfahrtgeschichte und zum anderen für ein wahrlich menschenverachtendes Unrecht bekannt. Bis heute bildet Peenemünde auf Usedom zugleich aber auch ein gravierendes Pendant zu Seebädern wie Trassenheide und Karlshagen. Es scheint nicht selten so als würde eben jenes Unrecht, das sich über Jahre hinweg in Peenemünde erstreckte, noch heute in dem Ort zu finden sein. Heute leben in Peenemünde rund 350 Menschen. Die meisten Besucher kommen, um das HTI, die Phänomenta und das U-Boot zu besichtigen.

Geschichte von Peenemünde

Heeresversuchsanstalt Peenemünde

Heeresversuchsanstalt Peenemünde

Peenemünde litt alles in allem schon immer unter seiner abgeschiedenen Lage. Bevor der Bädertourismus auf Usedom Einzug hielt, war Peenemünde der drittgrößte Ort der Insel. Doch auch in Zeiten, in denen Ahlbeck und Heringsdorf zu mondänen Kaiserbädern heranwuchsen, blieb Peenemünde ein abgelegenes Fischerdorf. Kaum ein Berliner machte sich auf den Weg in den Norden von Usedom. Aufgrund dieser Abgeschiedenheit wurde ab 1936 in Peenemünde mit dem Bau der Heeresversuchsstelle begonnen. Später wurde sie als Heeresversuchsanstalt Peenemünde bekannt. Das Ziel der Anstalt war es, sowohl die Entwicklung und Erprobung als auch die Produktion von Raketen als Massenvernichtungswaffen zu erkunden. Im Fokus stand immer der militärische Einsatz. Mit dem Bau der Heeresversuchsanstalt mussten die Bewohner Peenemünde verlassen. Ihre Häuser wurden im Zuge der Bauarbeiten abgerissen. Gleichzeitig erklärte man den gesamten Norden Usedoms zum militärischen Sperrgebiet. Unter strengster Geheimhaltung entstanden in kürzester Zeit ein Kraftwerk, mehrere Entwicklungsfabriken, sowie eine Anlage, die der Herstellung von flüssigem Sauerstoff diente.

Flugplatz Peenemünde

Flugplatz Peenemünde

Neben den Wehrmachtskasernen wurden in Peenemünde auch Wohnungen für Offiziere, Techniker und Wissenschaftler eingerichtet. Zur Heeresversuchsanstalt gehören schließlich auch neue Hafenanlagen, ein Flugplatz und ein Überschall-Windkanal. Die 10.000 bis 15.000 Kriegsgefangenen wurden unter unmenschlichen Bedingungen in zahlreichen Baracken untergebracht. Als Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge wurden sie in die Raketenproduktion eingebunden. Unter Walter Dornberger und Wernher von Braun begann im Mai 1937 die Arbeit der Raketenforschungsabteilung der Wehrmacht. Gemeinsam bildeten von Braun und Dornberger die militärische und technische Leitung der Heeresversuchsanstalt Peenemünde Ost. Gemeinsam mit Peenemünde West entstand eine der größten und ebenso modernsten Forschungseinrichtungen dieser Zeit. Als berüchtigste Waffe, die in Peenemünde entwickelt und gefertigt wurde, ging die V2 in die Geschichte ein. Ursprünglich war sie nur als Aggregat 4 bekannt. Aus propagandistischen Gründen wurde sie schließlich in Vergeltungswaffe 2 umbenannt. Bei der V2 handelte es sich um eine ballistische Rakete, die über eine große Reichweite und unerreichte Flughöhe verfügte. So handelte es sich bei ihr um die erste Rakete, die am Rand des Weltalls kratzte.

Peenemünde V2

Peenemünde V2

Die V2 kam das erste Mal am 8. September 1944 zum Einsatz. An diesem Tag wurde sie gegen Paris abgeschossen. Im Anschluss wurde sie vorrangig als Terrorwaffe gegen die britische Zivilbevölkerung genutzt. Trotz ihrer Reichweite wurde die V2 nicht zu der kriegsentscheidenden Wunderwaffe, die die Entwickler zunächst in ihr sahen. Grund war die geringe Treffergenauigkeit.

Peenemünde und seine Sehenswürdigkeiten

Gedächtniskapelle Peenemünde

Gedächtniskapelle Peenemünde

Bis heute sind die Spuren der Heeresversuchsanstalt in Peenemünde deutlich zu erkennen. Das Historisch-Technische Informationszentrum, kurz HTI, setzt sich anhaltend mit der Geschichte der Anstalt und des Ortes auseinander. Heute sind in Peenemünde noch das Kraftwerk, der Bunker und die Ruinen der einstigen Sauerstofffabrik zu finden. Ein Rundgang durch das HTI beginnt stets in der Bunkerwarte und führt im Anschluss über ein großes Freigelände. Der Anbau des Kraftwerks beheimatet eine interessante und sehr gelungene Ausstellung. Nicht weit vom HTI entfernt stößt man zugleich auf die Gedächtniskapelle.

Weitere Ziele in Peenemünde

Spielzeugmuseum Peenemünde

Spielzeugmuseum Peenemünde

Das HTI ist sicherlich das bekannteste Ziel von Peenemünde. Doch auch die Phänomenta hat sich als Sehenswürdigkeit einen Namen machen können. In der Phänomenta erlebt man Physik zum Anfassen und Ausprobieren. Physikalische Phänomene werden anhand von verschiedenen Versuchsanordnungen anschaulich dargestellt. In den Räumlichkeiten stehen den Besuchern mehr als 250 Experimente und Ausstellungsstücke zum Entdecken und Erleben zur Verfügung. Historische Reminiszenzen finden sich auch am Flugplatz von Peenemünde. Nur unweit vom HTI und der Phänomenta entfernt liegt das Spielzeugmuseum Peenemünde.

Im Hafen von Peenemünde liegt das nach eigenen Angaben größte U-Boot-Museum der Welt vor Anker. Das Maritim Museum U 461 gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Ortes. 1962 lief das Unterseeboot der Juliett-Klasse vom Stapel. Als Teil der 58. U-Boot-Brigade stand es bis zum Jahr 1993 in sowjetischen Diensten. Heute kann in Peenemünde nur das obere Deck besichtigt werden. Zunächst müssen sich die Besucher durch einen knapp 86 Meter langen U-Boot-Schlauch drängen. Im Anschluss erreicht man den Torpedoraum, sowie Offiziers- und Mannschaftsquartiere. Als besonders luxuriös erweist sich die Kabine des Kapitäns. Auch der Navigationsraum und die Kontrollzentrale können besichtigt werden.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>